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  Diäten: Schlankheitsmittel im Vergleich: Viel Gefahr wenig Effekt 
Abnehmen"diaita" - Abnehmen, ohne zu hungern, Ernährungsumstellung und ohne Bewegung: Viele Übergewichtige glauben an die Kraft von Wundermitteln, die als Fettmagnet wirken oder Fett speziell an Problemzonen wegschmelzen. Insgesamt gaben die Bundesbürger nach Berechnung der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Bad Aachen mindestens 170,4 Millionen Euro für Schlankheitsmittel aus, so Gesellschaftssprecher Sven-David Müller.

Davon stammen rund 124,2 Millionen Euro aus freiverkäuflichen und 46,2 aus rezeptpflichti-gen Schlankheitsmitteln. Mehr als 12,5 Millio-nen Packungen Appetitzügler, Abführmittel, Entwässerungspillen, Sättigungspräparate, Formuladiäten, Xenical, Reductil, Psycho-pharmaka, homöopathische oder Antiadiposi-taspräparate wandern jedes Jahr über die Apothekentheken mit dem Ziel, den Käufer abnehmen zu lassen.

Die Werbung vieler Anbieter ist einfach zu verlockend und selbst aufgeklärte Verbraucher greifen zu Schlankheitsmitteln, die oft mehr versprechen als sie halten. Die Experten der Gesellschaft für Ernährungsmedizin haben mehr als 100 Schlankheitsmittel im Markt gefunden und geprüft, die angeblich oder tatsächlich bei der Gewichtsreduktion helfen. Die meisten schneiden aber mangelhaft ab, da sie viel zu teuer, wirkungslos oder voller Nebenwirkungen sind, betont Müller.

Beispielsweise können Appetitzügler bis zu tödlichen Nebenwirkungen führen. Daher sind in der Vergangenheit viele davon aus der Apotheke verschwunden. Ungeeignet wegen ihrer ungesicherten Wirkung und/oder gefährlichen Nebenwirkungen sind auch Wachstumshormone, Amphetamine und Thyroxin, so Müller. Die meisten Schlankheitsmittel können ihre Wirkung nicht belegen und sind daher nicht in die evidenzbasierte Leitlinie Adipositas der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) aufgenommen.

Nur die verschreibungspflichtigen Medikamente Re-ductil und Xenical sowie das freiverkäufliche Medizinprodukt CM3 (Alginat) hielten der wissenschaftlichen Prüfung der DAG stand und sind jetzt in der Leitlinie vertreten. Die Medikamente Reductil und Xenical haben jedoch ein Nebenwirkungspotential, betont Müller. Bei einer fettreichen Kost führt Xenical zu fettigen Durchfällen und Reductil kann Blutdruckerhöhung, Übelkeit, Schwindel oder Herzrasen auslösen.

Gefährlich können Entwässerungsmittel (Diuretika) bei Anwendung ohne medizinische Indikation für Herz und Kreislauf sein, wenn sie ohne ärztliche Empfehlung angewandt werden. Außerdem kann man Fett nicht wegpinkeln, betont Sven-David Müller. Noch weniger sinnvoll ist die Einnahme von Abführmitteln (Laxantien), denn das Übergewichtsproblem liegt nicht im Darm sondern im Fettgewebe begründet.

Praktisch keine Nebenwirkungen weist das freiverkäufliche Medizinprodukt CM3 Alginat auf. Da Studien beweisen, dass es über einen Sättigungseffekt im Magen den Hunger bremst und die Gewichtsabnahme erleichtert, ist es wie Reductil und Xenical im Rahmen des Gewichtsmanagements sinnvoll einsetzbar. Schlankheitsmittel, die ihre Wirkung durch Studien belegen können, sollten Übergewichtige nur in Apotheken aber nicht über das Internet, TV-Verkaufssender oder auf dem Postweg erwerben.

Viele Apotheken aber auch Arztpraxen bieten inzwischen sinnvolle Übergewichtsprogramme an. Dazu gehören unter anderem die strukturierten ärztlichen Übergewichts-Programme Optifast, PreCon, FormMed, BodyMed sowie das Apotheken Programm „Senso Aktiv“. Millionenfach setzen Übergewichtige auf sogenannte Formuladiäten (diätetische Lebensmittel Paragraf 14a/b der Diätverordnung). Sie dienen dem teilweisen oder vollständigen Mahlzeitenersatz (Meal-replacement) und können deutliche Gewichts-verluste in einem kurzem Zeitraum erreichen. Sie sollten aber immer zu einer dauerhaften Ernährungsumstellung führen und nicht länger als 3 Monate unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden, so Müller.

Das proteinmodifizierte Fasten mit Formuladiät schneidet in Langzeitergebnissen besser ab als eine herkömmliche Reduktionskost. Viele strukturierte Über-gewichtsprogramme setzen auf die guten Ef-fekte von Formuladiäten. Auch die Substanzen Metformin und Acarbose, die eigentlich Diabe-testherapeutika sind, haben wissenschaftlich belegt schwache Effekte bei der Gewichtsreduktion.

Völlig ungeeignet zur Gewichtsreduktion ist Fasten, Heilfasten und andere Crashdiäten. Extrem einseitige Diäten – wie Fasten – sind wegen hoher medizinischer Risiken nicht empfehlenswert. Eine schlechte Nachricht für Übergewichtige ist, dass es keine Schlankheitspille gibt, die allein in der Lage ist, zu einer ausreichenden Gewichtsreduktion zu führen. Die Forschung auf dem Gebiet der kausalen Adipositasprophylaxe und –therapie entwickelt sich momentan in drei verschiedene Rich-tungen.

Forscher versuchen in der menschlichen DNA ein Schlankheitsgen zu finden. Auf der endokrinen Ebene spielt das körpereigene Schlankheitshormon Leptin und die Anzahl der entsprechenden Rezeptoren eine wichtige Rolle. Des weiteren versuchen Adipositasforscher das Sättigungszentrum des Gehirns zu erkunden und Wege zur Stimulation zu finden. Jedes Gewichtsmanagement sollte ein Basisprogramm aus den Komponenten Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie umfassen. Wahrscheinlich gibt es niemals ein nebenwirkungsfreies, preiswertes Schlankheitsmittel, dass das Übergewichtsproblem ohne Reduktionskost und Bewegungstherapie löst, betont Müller abschlie-ßend, der Übergewichtigen rät, bei Fragen rund ums Abnehmen mit Ärzten, Apothekern oder den Experten der Gesellschaft für Ernäh-rungsmedizin Kontakt aufzunehmen.

Kostenlose Ernährungsberatung werktags von 9.00 bis 15.00 Uhr unter 0241-9610313/14.

Produkt

Status

Einsatzgebiet

Bewertung

Xenical verschreibungspflichtig bei stärkerem Übergewicht sinnvoll/wirksam*/**
Reductil verschreibungspflichtig bei stärkerem Übergewicht sinnvoll/wirksam*/**
Appetitzügler verschreibungspflichtig bei stärkerem Übergewicht Nebenwirkungen beachten!
Metformin verschreibungspflichtig Diabetes mellitus schwach wirksam *
Acarbose verschreibungspflichtig Diabetes mellitus schwach wirksam (*)
Medizinprodukte z. B. CM3 Alginat freiverkäuflich Übergewicht auch sinnvoll/wirksam**
Formuladiäten freiverkäuflich Gewichtsreduktion sinnvoll/wirksam**
Entwässerungsmittel (Diuretika) i.d.R. apothekenpflichtig/ verschreibungspflichtig Überwässerung nicht zur Fettgewebsreduktion geeignet!
Abführmittel (Laxantien) i.d.R. apothekenpflichtig Verstopfung

nicht zur Fettgewebsreduktion geeignet!


DAG-Empfehlungsgrad A: Metformin, Acarbose, Sibutramin (Reductil), Orlistat (Xenical), Formuladiäten
DAG-Empfehlungsgrad B: CM3 (Alginat)
* Nebenwirkungspotential beachten
** Im Rahmen eines ganzheitlichen Gewichtsmanagements

Quelle: Deutsche Adipositas Gesellschaft: Evidenz-basierte Leitlinie zur Therapie der Adipositas
Geschrieben am Sonntag, 08.Februar 2004 von Ivonne
 
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